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Erwartungsmanagement in Krisenzeiten: Back to bleak

Wednesday, May 6th, 2009

Krisenzeiten sind ganz ohne Zweifel spannende Zeiten, insbesondere für die Kommunikation. In besonderer Weise werden dies die Verantwortungsträger in Politik und Wirtschaft empfinden, die im vollen Scheinwerferlicht der erwartungsvollen Öffentlichkeit agieren müssen. Auch dann, wenn Zurückhaltung, Vorsicht und Sachaufklärung geboten wäre, erzwingen die quasi mechanistisch ablaufenden Drehbücher von bestimmten Ereignissen die Bedienung von Erwartungen, die im Vorfeld aus unterschiedlichen Richtungen zwar in der Sache, aber doch um des angestrebten Effektes willen gemeinsam befeuert wurden. Herausragendes Beispiel für ein solches selbstgefertigte Inzenierungskorsett lieferte sehr anschaulich die Vorbereitung und Durchführung des sog. „Londoner Gipfels“. Von der Zusammenkunft der Verantwortungsrepräsentanten der 20 grössten Wirtschaftsnationen wurde nichts weniger erwartet, als klare Vertrauenssignale, die vom nahen Ende der weltweiter Krise künden sollten. Als visuelles Unterpfand der überall einbeschworenen Gemeinsamkeiten und des festen unverbrüchlichen Zusammenhaltes gilt unabänderlich nach wie vor das gemeinsame Foto der erschöpft aber insgesamt glücklich strahlenden Teilnehmer, die anschliessend eiligst auseinanderstieben, um für die jeweilige politische Heimtfront den eigenen unverwechselbaren Beitrag herauszustellen. Zurück bleiben in aller Regel ein Bündel weiter ungelöster Sachfragen, die in das bereits volle Gepäck der politischen Zuarbeiter, den sog. Sherpas, zur weiteren Behandlung gepackt wird, als Aufgabenstellung für den nächsten Gipfel.
Auch wenn es zu früh wäre, jetzt schon eine Bewertung des Londoner Gipfeltreffens abzugeben, zeichnet sich aber bereits jetzt schon deutlich ab, das diesmal die bisherige Gipfelroutine in mehrfacher Hinsicht verändert wurde. Das liegt nicht nur daran, dass sich das Umfeldklima am Tagungsort ungewohnt rauh und kühl zeigt, was nicht zuletzt der Tatsache geschuldet ist, dass London eines der Epizentren der Finanzkrise ist. Hier zeigen sich die bereits deutlich dramatische wirtschaftlichen wie auch gesellschaftliche Folgen ab, die wie ein Menetekel auf vergleichbare Entwicklungen in anderen Ländern wirken, sofern die Krise weiter anhält. Mit dem erstmaligen Auftritt von Barack Obama als Präsident auf einem solchen internationalen Parkett hat sich Gruppenzusammenkunft in eine 1 plus 19 Gruppe aufgespalten. Das liegt nicht nur an den gerade in Europa noch hohen und nicht wie in den USA infolge des täglichen Politikgeschäftes bereits auf irdische Massstäbe zurechtgestutzten Sympathiewerte, sondern wohl vor allem darin, dass sein Handlungskonzept und die kommunikativen Fähigkeiten, dafür Zustimmung zu organisieren, in vielfacher Hinsicht von den anderen Teilnehmern hervorsticht, namentlich den Vertretern europäischer Länder und hier als personifiziertes Gegenkonzept der Kommunikationsgestus von Angela Merkel. Der Kern der bisherigen Überzeugungskraft des Obama -Konzeptes besteht darin, dass er sich die Bewältigung der Krise als persönliche Aufgabe und mit allen Kosequenzen zu eigen gemacht hat. Daraus und aus dem Umfang und der Schnelligkeit der Massnahmen leitet sich auch die Wucht und die Kraft ab, mit der seinen Auftritt in seinem Land gestalten und seine Forderungen international wie z.B. an die anderen Teilnehmer des Londoner Gipfels untermauern kann. Während diese Krise immer noch kein Gesicht hat, weil sich die Verantwortlichen nicht zu ihrer Verantwortung bekennen, hat die Krisenbewältigung ein und nur ein Gesicht: das von Barack Obama. Alle anderen auf dem Gruppenfoto werden demgegenüber nur noch als historisches Beiwerk erscheinen, vorausgesetzt, diese Operation U-Turn gelingt, in den USA wird der Abwärtstrend gestoppt, und über die wieder erstarkte Konsumfähigkeit der amerikanischen Haushalte blüht auch der Export aus den Manufakturen von Deutschland bis China wieder auf. Geht diese Hoffnung nicht bzw. nicht so bald in Erfüllung, werden diejenigen Stimmen an Nahrung gewinnen, die vor denFolgen einer sich abzeichnenden Schuldenabhängigkeit warnen, in die sich die USA gerade auch international begeben würden.

Die entscheidende Qualität die ein Politiker heute nicht nur als Teilnehmer von Gipfeln, sondern auch in dem krisengeprägten Tagesgeschäft aufweisen muss, ist seine Fähigkeit als „Überzeugungsdienstleister“ oder „Vertrauensstifter“. Damit werden die notwendigen Fähigkeitsraster von Führungskräften um eine weitere wichtige Befähigung ergänzt. Es geht nicht mehr nur und zuvörderst darum, Politik oder eine Unternehmung in angemessenem Rahmen zu repräsentieren. In der Krise ist mehr denn je für die dauerhafte Wirksamkeit der Kommunikation , also dem Entstehen von Glaubwürdigkeit, Führung durch konkludentes Handeln angesagt, das umso intensiver und umfassender begründet werden muss, je deutlicher das Verhalten von dem bisher eingeübten und damit erwarteten sich unterscheidet. Betrachtet man die Einlassungen vieler unserer Politiker und Wirtschaftsführer in der letzten Zeit wird man des Eindrucks sich nicht erwehren können, als sei Krise immer noch das Thema der anderen. Während z.B. in den USA die Politik bereit ist, mit GM einen der grössten Arbeitgeber in die Insolvenz gehen zu lassen, scharen viele sich solidarisch um dessen Filiale Opel, wahrlich ein Fall der sog. Realwirtschaft, in der falsche Modellpolitik und Überkapazitäten den marktwirtschaftlich- systemischen Tribut zollen sollte.
Erst allmählich macht sich die Erkenntnis breit, dass der für 2009 von einigen noch für möglich gehaltene Aufschwung mit Sicherheit nicht mehr einstellen wird. Im Gegenteil ist wohl eher wahrscheinlich, dass wir uns mitten in der Wahl noch im vollen Abschwung befinden werden, der nach optimistischer Schätzung einen Rückgang von 5 v.H. des BIP ausmachen wird, eine Einschätzung, für die vor kurzem noch ein öffentliches Strafgericht fällig war. Wenn die Implikationen dieser Entwicklung sich auch in der betrieblichen Wirklichkeit abzuzeichnen beginnt, wird der bisherige Kuschelkurs auf eine harte Probe stehen, der in der Krise eine fast willkommene Chance für Veränderungen zu sehen glaubte. Die Veränderungen werden kommen, mit Wucht und Schnelligkeit. Gut, wer sich und seine Mitarbeiter oder Wähler bereits darauf eingestellt hat!